Vom Zustand der Bettler in europäischen Metropolen

Ich bringe unser Nesthäkchen zum Flughafen. Sie hat einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt vor sich. Wollte sie unbedingt.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Wir wur­den men­tal (fast über­trie­ben) dar­auf vor­be­rei­tet von der Aus­tausch­or­ga­ni­sa­ti­on. Auf ein kur­zes High fol­ge meist ein mehr­tä­gi­ges Down mit star­kem Heim­weh, dann Pha­sen X, Y usw.

Unser Land­mäd­chen, das sowohl mit Kat­zen, Zie­gen, Hüh­nern als auch mit Pfer­den in deren je eige­ner Spra­che kom­mu­ni­zie­ren kann, das in Schnell­ro­da gebo­ren ist und Schnell­ro­da nie für län­ger als 10 Tage ver­las­sen hat, zieht also nun für etli­che Mona­te in eine Metro­po­le. Genau­er gesagt in den 3. Stock einer Groß­stadt­woh­nung. Die Lan­des­spra­che war nie Schul­fach, sie hat sie sich auto­di­dak­tisch beigebracht.

In der S‑Bahn zum Flug­ha­fen macht sie Pho­tos und stellt sie in ihre „Sto­ry“. Bei­spiels­wei­se das Hal­te­stel­len­schild „Konsta­bler­wa­che“.

„Mama! Kapierst Du halt nicht.“ Ok, irgend­was Gangs­ter­haf­tes, mäd­chen­haft geraunt.

Rund um die Kon­sti spiel­te sich ein Teil mei­ner Jugend ab. Clubs, Kino, rum­hän­gen und sich über die Zustän­de auf­re­gen, was unge­fähr­lich war, weil über­all Poli­zei parat stand. Unver­ges­sen auch, wie Kubit­schek Mit­te der 1990er dort an die Schei­ben eines Poli­zei­au­tos poch­te und mel­de­te, daß ihm gera­de mehr­fach Dro­gen ange­bo­ten wor­den sei­en, und wie ihn die Beam­ten dar­auf­hin mil­de angrinsten.

“Konsta­bler­wa­che” als Meme muß schon GROSS sein, wenn es Jahr­zehn­te spä­ter immer noch sto­ry­taug­lich ist…

Ich hab ein ande­res The­ma: Bett­lern Geld geben. Für mich eine christ­li­che Selbst­ver­ständ­lich­keit, die ver­mut­lich auch daher rührt, daß man in unse­ren Gefil­den (Mit­tel­deutsch­land) fast nie mit die­sem Phä­no­men kon­fron­tiert wird. Da hat man leicht reden! In Städ­ten wie Rom ist das eine ande­re Geschich­te. Da wirst du (war auch schon im ver­gan­ge­nen Jahr­tau­send so) minüt­lich ange­pumpt und soll­test dein Porte­mon­naie bes­ser als Brust­beu­tel mit Stahl­ket­te um den Hals tragen.

Aus Frank­furt ken­ne ich das nicht in die­ser Fre­quenz. Auf dem Weg zum Flug­ha­fen, aller­frü­hes­te Mor­gen­stun­de, wer­den wir nun drei­mal angesprochen.

Dar­un­ter ein jun­ges Mäd­chen euro­päi­schen Aus­se­hens, das bit­ter­lich weint. Danach haben wir kein Klein­geld mehr. Mei­ne Toch­ter fragt sich, war­um das Mäd­chen wohl so sehr geweint hat.

Auf der Rück­fahrt vom Flug­ha­fen wer­de ich drei wei­te­re Male ange­spro­chen. Der betrun­ke­ne Pen­ner kriegt ein Gebet, der schnor­ren­de Nafri einen Remi­gra­ti­ons­wunsch, und dann kommt noch ein intel­lek­tu­ell­tu­en­der Alter, der mit vie­len Wor­ten über die „Gege­ben­heit: Hun­ger“ refe­riert. Er ist wirk­lich sehr dünn. Die Sitz­nach­ba­rin in der S‑Bahn bie­tet ihm ihre gigan­ti­sche (unan­ge­bis­se­ne) Mohn­stan­ge an. Er ver­trägt kei­nen Mohn. Ich habe zwei fri­sche Voll­korn­bröt­chen (mohn­frei) zu bie­ten, die ich grad per Kar­ten­zah­lung erwor­ben habe. Er kann Voll­korn nicht lei­den und hat auch eine aus­führ­li­che, fast­phi­lo­so­phi­sche Geschich­te zu die­ser Abnei­gung parat.

Mei­ne Sitz­nach­ba­rin ist so empört, daß sie im schöns­ten Hes­sisch laut­hals über die him­mel­schrei­en­de Undank­bar­keit von Bett­lern schwa­dro­niert. Eini­ge Minu­ten spä­ter kommt es zum reta­rie­ren­den Moment (thea­tra­lisch gespro­chen): Der Dün­ne kehrt von sei­nem Gang durch die Wag­gons zurück und bit­te mit einem fal­schen Knicks „doch noch“ um die Mohn­stan­ge. Die Sitz­nach­ba­rin gibt gern und berich­tet mir aus­führ­lich, was wohl in dem Bett­ler vor­ge­gan­gen sein könn­te. Sie ist berauscht von der  Dank­bar­keit, die sie sich vorstellt .

Ich stei­ge aus, Auto in Offen­bach-Ost geparkt. Es hat der­weil geschneit. Auf die Karos­se­rie sind drei Pim­mel in unter­schied­li­cher Grö­ße gezeich­net und der urdeut­sche Schrift­zug „JÖRG“. Ver­mut­lich nicht „Meme-fähig“, das.

Sie­ben Stun­den spä­ter ers­ter Anruf der klei­nen Toch­ter. Sie wis­se ja auch nicht (Stim­me bricht) – aber sie habe Heim­weh. Gemäß Sche­ma ist das zu früh.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (72)

Karl Otto

12. Januar 2026 08:53

Frankfurt ist natürlich auch ein spezieller Fall. Ansonsten finde ich es auffällig, dass die Bettler i.d.R. keine Migranten sind. Abgesehen von den Romas aus Südosteuropa, bei denen das Betteln offenbar zur Lebensweise gehört.

Ernestina

12. Januar 2026 09:44

Ich hatte schon als Jugendliche den Wunsch, eine Zeitlang ins Ausland zu gehen. Vor allem die USA empfand ich - ich hatte dort Verwandte, die bereits 1970 erfolgreich ausgewandert waren - als sehr anziehend. Aber erst mit 24 - ich hatte ein gutes Gespür für das, was ich innerlich würde verkraften können -  traute ich mir diesen Schritt innerlich auch zu. Ein Jahr Israel. Das bewegendste und spannendeste Jahr meines Lebens. Heimweh hatte ich nicht. Konnte das Ausland in vollsten Zügen genießen. Ein Jahr später bin ich nach Deutschland zurückgekehrt in dem Bewusstsein, dass ich Christin und Deutsche bin. Ich hatte einen entscheidenen Teil meiner persönlichen Identität gefunden. Das allein war ein unschätzbarer Gewinn, der mich bis heute nachhaltig prägt.
 

Ernestina

12. Januar 2026 09:49

Bettlern gebe ich grundsätzlich nichts - es sei denn, ich spüre ausnahmsweise einmal einen inneren Anruf, dies zu tun. Wir sind auf Autobahnparkplätzen schon profimäßigen Bettlerbanden begegnet, vermutlich aus dem Balkan. So etwas ist abstoßend und macht Angst. Ich denke, es gibt in Deutschland viele Leute, die den Bettler spielen, nur um den anderen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Nicht mit mir! 

Ein gebuertiger Hesse

12. Januar 2026 10:02

Haha. Sehr schön. Was sich Gott wohl dabei gedacht haben mag, als er solche Geschichten des Lebens schrieb?

Sandstein

12. Januar 2026 10:06

Haha klasse, ich schmeiß mich weg. Jaja, "Krankfurt"
https://www.youtube.com/watch?v=GutEQy7Vc6E
"An der Konstabler, war ich McDonalds Vollzeitler - weil ich damals keinen Weg sah"
Ist wie in Berlin mit dem Kotti..irgendwie atmen solche Haltestellenplätze ein ganz  eigenes Luftgemisch.

Hesperiolus

12. Januar 2026 10:44

Gómez Dávilas Verdikt „Wer sich außerstande erklärt zu betteln, flößt mir tiefen Abscheu ein“ hat je mich anstössig erschüttert, dem das „exitus patet“ dann vermutlich näher wäre. - Zu unterscheiden wohl auch zwischen berufenen und berufsmäßigen Bettlern. - Haltung dazu überdies konfessionsscheidend, gewesen.
 

Rabenkaiser

12. Januar 2026 11:23

In den Bahnhöfen von Berlin, Hamburg und Frankfurt werde ich ständig angebettelt. In Frankfurt fragte mich einmal jemand nach zwei Euro; als ich verneinte, wollte er wissen, ob ich ein Zelt im Rucksack habe. In Hannover ist bandenartiges Betteln inzwischen Alltag: meist sehr junge Frauen mit Schildern, auf denen steht, sie müssten zwölf Kinder ernähren. Am extremsten erlebte ich es bislang in Essen – alle paar Meter ein anderer Ausländer, der Geld verlangt und den "Remigrationswunsch" bekommt.
Demgegenüber erinnere ich mich an meine Studienzeit in Heidelberg. Am Bismarckplatz standen regelmäßig große Stände von Amnesty, UNICEF, World Vision oder CARE. Einmal fragte ich dort, wer sich eigentlich um die Obdachlosen kümmere, denen ich täglich ein paar Meter weiter in der Einkaufsstraße begegnete. Die Antwort war Schweigen.
Ernestinas Haltung schließe ich mich an, mit einer Ergänzung: Ich gebe gern, wenn jemand offensichtlich Hilfe braucht und/oder zugleich versucht, sich das Geld anders als durch bloßes Bitten zu verdienen. Neulich saß in einer westfälischen Bahnhofsunterführung ein Mann auf dem Boden und spielte auf Flaschen und Dosen eine erstaunlich stimmige Melodie, die den dunklen Ort beinahe freundlich machte. Ich gab ihm Geld. Am Ende der Unterführung fragte mich eine Radioreporterin nach dem Grund. Ich sagte, seine Musik habe den Ort bereichert. Auf meine Frage, ob sie ihm ebenfalls etwas gegeben habe, antwortete sie: „Noch nicht.“

RMH

12. Januar 2026 11:37

Als ich um die Jahrtausendwende ein paar Jahre in Frankfurt (Westend, internat. Laden, Team aus halb Europa, Früh mit Helsinki, Mittags mit London, Abends mit USA telefoniert, on the way to be an anywhere - Angeb!) gearbeitet habe, war es gerade mal etwas aufgeräumter. Da war sowohl das Bahnhofsviertel kurzfristig nicht das, was mal war & heute wohl wieder um so schlimmer sein soll, als auch die Konstabler W. nicht besonders arg. Um so härter empfand ich es, dass gerade im vermeintlich sauberen MUC ich so einiges gesehen habe, was man dort nicht vermutet. Aber genug der einleitenden Worte. Als ich noch regelmäßig in einer Innenstadt war, hatte man mit der Zeit so seine Stammbettler, denen man regelmäßig ein bisschen was gab. So gab es (andere Stadt als FR) bspw. eine verelendete Punker-Szene, von denen einige regelmäßig ihre Becherchen aufgestellt haben & die von mir dann etwas bekommen haben. Die waren dermaßen verwahrlost, die wären noch nicht mal mehr für die Antifa rekrutierbar gewesen. Die üblichen Rumänen haben selbstredend nichts bekommen, & da ich mittlerweile kaum noch in der Innenstadt bin, gibts halt weniger. Unser Staat gibt einem ja das Gefühl, dass mit Steuern und Abgaben eigentlich alles bezahlt sein sollte, also dann mal los, hey Staat, hey Staat. 
https://www.youtube.com/watch?v=g_8N4O5jj6M

RMH

12. Januar 2026 11:51

Das Schüler-Austausch-, Auslandssemster-(Un?)wesen ist ja seit einigen Jahre klar ausgebauter & selbstverständlicher, als es das früher war. Ich selber denke, zu jung sollten die Kinder nicht dafür sein. Unter 18 (darüber darf ich ja ohnehin nicht mehr mitreden, außer, finanziell) würde ich ein Kind noch nicht so lange weglassen & wenn, dann nur in ein Land, wo ich es binnen 12-14 Stunden selber wieder mit dem Auto abholen kann & nicht auf Flugzeuge angewiesen wäre. Die Welt ist nach meinem subjektiven Empfinden ungemütlicher geworden & es gibt mittlerweile etliche Länder, in die ich selber nicht mehr reise oder reisen würde, daher hätte ich dann meine Bedenken, wenn eines meiner Kinder dahin reisen würde.  Wie ich es an anderer Stelle bereits erwähnt habe, zählen dazu mittlerweile auch etliche, sog westl Ländern wie bspw. die USA. Auch Australien hat bei mir seit dem dortigen Corona-Amok versch... Zudem scheint es dort gar nicht so einfach zu sein, ein Visa für ein Studium zu bekommen. Das Visa Unwesen, dem auch wir dt. sehr oft unterliegen, treibt ja mittlerweile generell weltweit wieder übertrieben stark aus. Da merkt man, wie wenig der dt. Pass mittlerweile wert ist.

deutscheridentitaerer

12. Januar 2026 11:59

Sehr interessant immer Ihre Erzählungen über Ihre Kinder. Bettler finde ich weniger interessant. Berufsbedingt reise ich mehrmals die Woche per Zug durchs Land, daher komme ich um das Phänomen aber nicht herum. Auch wenn es selbst in Städten wie Frankfurt, Berlin etc. nicht unerträglich ist. Jeden zweiten oder dritten Aufenthalt wird man angesprochen, schätze ich. Am schlimmsten ist es in Hamburg, in Leipzig oder Dresden gibt es das gar nicht. Lustig finde ich vor allem die Masche, wenn irgendein Junkie vor Abfahrt durchs Abteil stürmt und Geld "für seine Fahrkarte" will. Überraschend oft macht irgendein Boomer dann doch 10 Euro oder so locker.

Laurenz

12. Januar 2026 12:27

@EK ...nachdem meine musikalischen Träume in den frühen 90ern gescheitert waren, suchte ich mir meinen 1. Job im Kapitalmarkt, Adresse https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_B%C3%BCro_Center Wenn man in die Innenstadt wollte, mußte man durch die Taunusanlage, dort war im Citibank-Hochhaus eine meiner Mitfahrgelegenheiten, die andere am Hauptbahnhof (mit dem Weg durch das Bahnhofs/4) & in der Neuen Mainzer. Bei beiden Wegen begegnete man immer 5 oder 10 Junkies, die mit Cola-Dosen ihren Stoff köchelten. An der Konsti war das harmloser, dort wurde eher nur Haschisch verkauft. Das war auch schon Mitte der 80er so, als ich im Gagern (Zoo) Abi machte. Deswegen lange ich mir verbal auf der SiN schon immer an den Kopf, wenn einer schreibt, seit dem Merkelator sei es Scheiße. Bei bettelnden Zigeunern sang ich immer bis heute den Refrain aus diesem Lied  https://youtu.be/BoTGZpy1CPI (natürlich 1 Oktave tiefer als das Original) von Emmerich Kálmán & man ließ/läßt mir die Ruhe. Seit 1968 wohnte ich für 10 Jahre in Frankfurt im Umfeld des Zoos, dann im Taunus. Bis nicht ganz zur Jahrtausendwende fuhren seit '68 meine Eltern fast an jedem Wochenende nach Lohr/M. zu meinen Großeltern, weil meine Mutter Heimweh hatte. Wenn Ihre Tochter das nicht in den Griff bekommt, bleibt das so. Medizin kann ein eigenes Heim sein, muß aber nicht. Dafür hat auch @Franz Bettinger keine Medizin.

Majestyk

12. Januar 2026 13:15

@ Karl Otto:
"Ansonsten finde ich es auffällig, dass die Bettler i.d.R. keine Migranten sind."
Was ist daran auffällig? Deutschland als Land ist super, nur nicht für Deutsche. Ausländer brauchen keinen Kältebus, müssen auch nicht überlegen, wie sie ihre KK finanziert bekommen, Ausländer werden bei Fördermaßnahmen bevorzugt und im unteren Lohnsegment bei der Jobverteilung. Sehen Sie Ausländer, die Flaschenpfand sammeln, die im Auto leben müssen? Ich nicht. Und dreimal darf man raten, warum Bettler überwiegend Männer sind.
Interessiert alles keine Sau. Hier im Dorf gibt es keine Bettler. Als ich noch in Städten lebte oder verkehrte, habe ich jedem, der wirklich Hunger hatte was zu essen besorgt, nie Kohle gegeben. Hab auch schonmal jemandem im Winter ein Zimmer organisiert und bezahlt. Heute könnte ich das mir nicht mehr leisten. Punks habe ich nie was gegeben, kann Punks auch nicht ausstehen. Aber grundsätzlich schaue ich bei Armut nicht weg. 
In Washington trafen wir damals einen Obdachlosen, der quasi mit uns eine Art Nachtwanderung durch die Stadt machte und die Sehenswürdigkeiten zeigte. Damals war mein Englisch noch nicht so gut, alles habe ich nicht verstanden. Als wir uns verabschiedeten, gab ich ihm die Hand und darin einen Schein. Der Mann fing an zu weinen, hätte uns doch nur die Stadt zeigen wollen. Wir gaben ihm zu verstehen, daß er es brauchen kann und wir das Geld nicht vermissen. Armut in reichen Ländern macht mich wütend.

Majestyk

12. Januar 2026 13:17

"Bettlern gebe ich grundsätzlich nichts" -  Ernestine
Da ist sie wieder, die berühmte christliche Nächstenliebe. 

Monika

12. Januar 2026 13:50

Dem Nächsthäkchen wünsche ich alles Gute in der Fremde. Der Schutzengel wird schon ein Auge auf sie haben ! 😉😀Solche Auslandsreisen oder Schüleraustausche der jugendlichen Kinder sind ja für beide Seiten immer aufregend und anregend. Wer keine Kinder hat, dem entgeht da schon eine durchaus existenzielle Erfahrung an Freude und Sorge. Was die Bettler betrifft, gebt mit Freude und gerne, denn, so sinngemäß Kubitschek, es könnte ein Hölderlin darunter sein. Dieser Gedanke  mag naiv sein, so wie die Meldung des Drogenangebots an die Polizei in der großen Metropole. Ich mag diese Art von "Naivität". Ich habe vor vielen Jahren tatsächlich mal einen "Penner" im Zug getroffen, ohne Strümpfe, mit verkrusteten Füßen und streng riechend, der sich mit Philosophie auskannte und lateinisch konnte. Er hat sich sehr nett mit meinem Sohn unterhalten. Dann bat er um etwas Geld für die Bahnhofskneipe. In Frankfurt gab es mal ein kulturelles Gesprächsangebot für Obdachlose. Keine Ahnung, was daraus wurde.

Schobbepetzer

12. Januar 2026 14:20

Bin auf der Sachsenhäuser Seite aufgewachsen und Konsti war meine S-Bahn Station zur Zentralen Bibliothek in Jugendzeiten. Es ist ein Drecksloch geworden. Habe aber letzte Woche in Vorarlberg (Nähe meiner neuen Heimat CH) bei einem Hofer (österr. Aldi) eine interessante Bettlererfahrung gemacht.
Seit ca. 2 Jahren steht bei den Einkaufswagen ein rabenschwarzer Typ (Afrikaner), der die Einkäufer um den Pfandeuro vom Einkaufswagen anbettelt. Seit dieser Woche sucht der Hofer mit knallroten Zetteln an Eingang, jeder Kasse etc. Helfer jeder Art (Kassierer, Regaleinräumer, Lager) händeringend Mitarbeiter. Hat mir die Marktleiterin bestätigt. 
Ich habe den Afrikaner angesprochen. Erst Deutsch, dann Englisch: "Ich helfe Dir bei der Bewerbung, da gibt es einen perspektivischen Job." Was ist der Typ ausgeflippt.
Danach habe ich aus dem Auto heraus gezählt, wieviel Euros vorzugsweise ältere Damen und grüne Mütter bei ihm lassen. Ich kam auf einen Stundenlohn über 20 Euro. Wir sind das Problem.In der CH gibt es dieses Betteln so nicht.

Caroline Sommerfeld

12. Januar 2026 14:37

Zum Thema Almosen habe ich vor kurzem für den "Eckart" ein paar Gedanken niedergeschrieben, siehe hier: https://dereckart.at/von-almosen-gebern-und-nehmern/

Mein Text ist zuerst in der Druckausgabe mit dem Heftthema "Freiwillige und Mäzene", Dezember 2025 erschienen.

Freichrist343

12. Januar 2026 14:47

Die Zahl der Bettler kann verringert werden, wenn es Kapitalzinsverbot gibt. Dies trägt zu einer Entschleunigung bei.
https://jlt343.wordpress.com

MARCEL

12. Januar 2026 15:03

"Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt" (Mk14,7)
Wir sind nicht Sklaven der Gebote und könnten uns durch ihre minutiöse Einhaltung auch niemals erlösen (wir würden allenfalls neurotisch). Daher ist Christentum auch keine Moral (obwohl das Kirchentage etc. oft so präsentieren). Die "Gerechtigkeit" von Jesu Gott ist alles andere als moralisch (vgl. Arbeiter der letzten Stunde etc.) und seine Liebe geradezu unberechenbar.
Nein: Das Christentum ist nicht "spiritualisierte SPD", sondern als Religion die Überwindung eines existentiellen Traumas: Kreuzigung und Tod des Helden. 
Als einzige der Weltreligionen bietet das Christentum die Überwindung eines Traumas, mithin der Absurdität des Lebens an!
Mein Wort zum Montag

Majestyk

12. Januar 2026 16:13

@ Caroline Sommerfeld:
Ihren Text habe ich gelesen. Will daran gar keine Kritik üben (die Chefin überlegt eh noch, ob Sie meine Kommentare vom Mittag freigeben will), finde Ihren Text ganz gut. Mir warf mal jemand, dem ich ein belegtes Brötchen geben wollte, eben jenes an den Kopf. Bettlerbanden sind für mich aber auch keine richtigen Bettler, sondern Betrüger, ergo Verbrecher.
Im Text finde ich den Satz:
"Almosen können also jeweils sowohl nach innen – auf die Seele – als auch nach außen – auf die Lage der Bedürftigen – ebenso hilfreich wie verderblich wirken."
Lassen wir mal die Banden beiseite. Ich denke, wer wirklich Hunger hat, dem kann leicht geholfen werden, Talente kann man ebenfalls sponsern, kommt vielleicht der Allgemeinheit zu Gute und niemand bricht sich einen Zacken aus der Krone, dem armen Jungen aus der Nachbarschaft mal eine Hose oder ein altes Rad zu spendieren. Was ich mich aber frage, wenn Almosen den Charakter verderben können, warum dann meine Erkenntnis, daß man arbeitsfähigen Menschen keine Sozialhilfe zahlen sollte, sondern lieber schauen, daß mehr Arbeitsplätze entstehen so verwerflich ist. Ich finde, es ist besser man hilft jemandem selbstständig gehen zu können, als ihn durchs Leben zu tragen.
"
 

nagini

12. Januar 2026 18:16

Bin ich froh, dass ich gerade nicht (mehr) in so einer Situation bin. Früher habe ich z.B. "Urlaub gegen Hand" gemacht, oder auch andere Eskapaden. Als ich dann jeweils wieder zuhause war, saß ich erst eine Stunde apathisch auf dem Boden meines jeweiligen Zimmers und konnte nicht fassen, wie ich diese heile Welt verlassen konnte - wie ich nur jemals einen Schritt in diese bebende und brodelnde Hölle hinaustun konnte. Spanien war zum Beispiel besonders schlimm, aber auch einmal Italien. Die Schweiz auch, vor allem weil dies über Urlaub hinausging. Es gibt wohl auch das Phänomen, zu behütet aufgewachsen zu sein. Ich leide bereits, wenn es nicht meine gewohnten Speisen gibt, während andere das nicht stört, aber die haben auch nie die Qualität meiner Kindheit erlebt oder gespürt. Nein, heute entwerfe ich mir die Qualität meiner Kindheit selbst und stellte fest, ich kann sie nur in Deutschland herstellen und verwirklichen. Woanders gibt es weder die Produkte, noch die Umgebung, noch meine zutiefst überlebensnotwendige Muttersprache. Aber jeder muss wohl mal denken, anderswo wäre es interessanter oder gar besser - Nirgends wird es jemals besser sein als dort, wo man Zuhause ist. 

Der Gehenkte

12. Januar 2026 18:41

Göttlich, die Kubitschekiana! Ging mir an der Grenze zu HU auch so, als ich den Wechsel eines Autokennzeichens an einer Nobelkarosse meldete, am hellichten Tag auf dem Parkplatz. Der Polizist gähnte nur, das sei normal, und als ich insistierte, sagte er: ich ruf mal an ... Da waren die schon sonstwo. 
Heimweh setzt bei mir immer schon am Bahnhof ein, wenn ich in den ersten Zug steige. Euphorie davor. Und nach ein paar Tagen will man dann nicht mehr weg und ist traurig am Abreisetag. Achterbahn. 
Modernes Betteln leider meist entweder organisierte Kriminalität der bekannten Volksgruppe oder Unterstützung von selbstzerstörerischen Abhängigkeiten. Beides berührt unangenehm und macht das Geben schwer. Am ehesten noch, wenn einer dafür fiedelt. 

fw87

12. Januar 2026 19:26

Was Bettler betrifft, sollte man bei manchen aus der Gruppe der "Sinti und Roma" schon vorsichtig sein, das ist meine Erfahrung. Eines Tages verwickelte mich eine junge Frau aus dieser Volksgruppe in ein Gespräch. Irgendwann sagte sie dann: "Im Namen Gottes flehe ich dich an, mir jetzt zu helfen!" Daraufhin habe ich ihr ein paar Euros in die Hand gedrückt. Ihre Familie, die uns in einigem Abstand gefolgt war, hat sich dann gebogen vor lauter Lachen wegen meiner "Dummheit". Dieses freche Ausgelachtwerden löste in mir spontan eine Mischung aus Schock und Scham aus. Sehr unangenehm. Bereut habe ich mein Verhalten aber dennoch nicht. In dem Moment war es schon richtig. Als Christ sollte man schon die Bereitschaft haben, Bettlern, egal wem, was zu geben. Es muss natürlich nicht immer sein. Ich entscheide das immer instinktiv. Auch ein Stoßgebet kann helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. 

bb

12. Januar 2026 20:16

Bettlern Geld geben. Für mich eine christliche Selbstverständlichkeit

Für mich nicht. Wir haben in Deutschland einen bestens ausgebauten Sozialstaat mitsamt ehrenamtlicher Hilfe, diesen voll auszunutzen. Desweiteren gibt es im Niedriglohnsektor jeder größeren Stadt niederschwellige Angebote, zu arbeiten. Wer also bettelt, nimmt selbst entweder keine Hilfe an (Obdachlosigkeit) oder möchte keiner geregelten Arbeit nachgehen. Für die Obdachlosigkeit gibt es unter anderen folgende Gründe:

Psychische Probleme
Fehlendes soziales Netzwerk
Drogen- oder Alkoholabhängigkeit
Kein Zugang zum Sozialstaat (keine Staatsbürgerschaft)

Keins dieser Probleme kann durch Spenden gelöst werden. Im Gegenteil: Durch Geldspenden werden diese Probleme verschleppt und verschärfen sich mit der Zeit.
Andere Bettler generieren sich ein steuerfreies, teils erhebliches Einkommen, tragen allerdings selbst nichts bei. Banden aus Osteuropa haben bereits gewittert, dass hier einiges zu holen ist. Was, wenn der Kostverächter ca. 50€ am Tag verdient (Netto von ca. 1000€), gleichzeitig aber noch Bürgergeld bezieht? Selbst mit geringen Einnahmen (1€ alle 10 Minuten) steht er jetzt besser da als ein Mindestlohnempfänger.
Was verdient ein Bettler

Oderint

12. Januar 2026 20:46

Was Bettler angeht, habe ich eine einfache Regel: Kein Geld ohne Gegenleistung. Jeder kann irgendetwas, und nur die Hand hinzuhalten und verzweifelt dreinzuschauen ist halt einfach zu wenig.
Mag die Melodie auf der Ziehharmonika auch noch so falsch gespielt sein oder die überteuerte Obdachlosenzeitung ungelesen im nächsten Papierkorb verschwinden - ich gebe gerne und großzügig. Hat auch etwas mit Würde zu tun, denn es ist ja dann eine Gage bzw. ein Umsatz und kein Almosen.
 

Ein gebuertiger Hesse

12. Januar 2026 21:42

Es ist in Ffm eh die Frage, wo man abhängt, so die entspechenden Züge in die Ferne & die Nacht mal weg sind. Bleibt man in dem dummen Burger King im Bhf oder wagt man sich nochmal raus auf, eine Ampel weiter, ins Rotlichtmileu. Letzteres, dort lernt man dazu.

dojon86

12. Januar 2026 22:54

@RMH Ich finde, die Sitte seine Kinder für eine Zeit ins Ausland zu schicken, ist keineswegs eine Unsitte. Vor allem der Fremdsprachenerwerb funktioniert als Teenager wie von selbst. Nicht umsonst praktizierten Adel und Großbürgertum diese Sitte schon seit Jahrhunderten. (Nannte sich "Grand Tour") Ich weiß nicht, ob meine Erfahrung allgemeingültig ist, aber mich haben meine ausgedehnten Tramperfahrungen in den 70ger Jahren in vielen auch nichtwestlichen Ländern von der närrischen Fernstenliebe der Deutschen geheilt. Und wenn ich heute um mich schaue, dann finde ich gerade unter Menschen, die reichliche Erfahrungen (vor allem Arbeitserfahrungen) im Ausland gemacht haben, ein realistisches Bild der eigenen und auch fremder Ethnien.Wogegen die naivsten "Woken" meist überhaupt keine Kontakte zu fremden Ethnien und Auslandserfahrungen meist nur als organisierte Fernreisende haben. Es gibt natürlich zu diesen naiven Woken auch die entsprechenden Gegenstücke auf der rechten Seite. Bei denen ist halt der Blick nach draußen ausschließlich negativ, mithin ebenso eingeschränkt.

Waldgaenger aus Schwaben

12. Januar 2026 23:10

Eine wahre Geschichte aus längst vergangenen Zeiten  in München, muss wohl Mitte der 1980er Jahre gewesen sein. Ein Freund, inzwischen längst der irdischen Mühsal enthoben, zog nachts oft mit mir, öfters aber allein, durch die nächtliche Stadt. Irgendwann zwischen ein Uhr, als die letzten Kneipen zumachten und drei Uhr morgens als die ersten mit Frühlizenz (Mathäuser Weißbierkeller?) aufmachten, sprachen ihn zwei Obdachlose an und bettelten um Geld. So erzählte er mir. Zu betrunken, um selbst den Geldautomaten zu bedienen, gab der ihnen die Bankkarte, den Geheimcode und sagte: "Hundert Mark kann sich jeder nehmen!" Damals verdiente er noch recht gut. Die Obdachlosen konnten ihr Glück nicht fassen. 
Am nächsten Tag fehlten exakt 200 Mark auf dem Konto. Solche Geschichten schreibt nur das Leben. Erfinden kann man die nicht, klingt zu unglaubwürdig. 

MarkusMagnus

13. Januar 2026 01:21

@ nagini
Ich fühle 100% das Gleiche wenn ich ihren Text lese. Ich hatte auch eine sehr schöne Kindheit, mit einer krassen Ausnahme. Aber wenn man eine intakte Familie hat, kann man auch schlimmste Dinge überstehen. Ich ging auch deswegen schon immer ungern weiter weg. Selbst im Urlaub.
Mich störte schon die Verschiebung der Sterne und Sternbilder, wenn ich nur in etwas südlicheren Ländern in den Nachthimmel sah. 
Ein Blick und ich fühlte! mich fremd. Ich wusste ja wo ich war, aber das Gefühl nicht zu Hause zu sein wenn ich nach oben blickte, überwältigte mich. "Hier stimmt was nicht."
Auf der Südhalbkugel war ich noch nie :). Da würde ich wahrscheinlich sterben.
Ich bekam schon Beklemmungen, als ich mal in NRW war. Alles so flach, so komisch für mich, aber dennoch gehört es auch zu Deutschland. In meiner Heimat in Osthessen ist es dagegen voll mit bewaldeten Bergkuppen. Gerade schneebedeckt. Ein Wintertraum. Mein Lieblingsberg ist der Hohe Meißner, hier ist auch Frau-Holle-Land. Ich weiss wofür ich kämpfe, wenn ich das so vor mir sehe.
Ich hasse die Leute die mir meine Heimat nehmen wollen, die mit Deutschland "Experimente" machen, die Familien kaputtmachen. Die Verbrecher auf unsere Frauen und Kinder hetzen. Ich hoffe das diese Leute eines Tages zur Verantwortung gezogen werden. Und das nicht zu knapp.
 

MarkusMagnus

13. Januar 2026 01:47

Zum Thema Almosen:
Ich gebe immer etwas, besonders wenn ich mir neue Klamotten oder sonst irgendwas, was viel Geld kostet, gekauft habe. 
Es geht mir aber nicht darum ein gutes Gefühl zu haben. 
Nach meinem Glauben könnte ich im nächsten Leben der Bettler sein. Ich bin Christ, aus der e.v. Kirche ausgetreten, glaube aber dennoch - oder gerade deswegen - an die Reinkarnation. Ich trage immer eine kleine Ikone bei mir: Ein Bild der heiligen Maria Romanova. Einer Tochter des letzten Zaren.
Es ist unlogisch und unfair, das ein Königssohn und ein Bauernsohn sich an die selben Regeln halten sollen, wenn nicht auch die Rollen mal vertauscht sind. Gott oder die Götter sind weder unlogisch, noch unfair.
Bettlern gebe ich grundsätzlich nichts" - Ernestine
Nicht Sie tun dem Bettler etwas Gutes, sondern er Ihnen. 
Gott sieht alles. 
 
 

RWDS

13. Januar 2026 07:58

Warum fliegt man aus Frankfurt a. M. weg, wenn man einen Auslandsaufenthalt machen will?

Andreas J

13. Januar 2026 08:56

Hamburg ist btw. inzwischen Beggars Paradise. Überall sitzen sie, professionell die frequentiertesten Fußwegstellen versperrend, z. B. der darbende junge Mann in schwarzer Lederjacke oder die hungerbedrohte Frau, die prima facie das Doppelte meines Körpergewichts auf die Waage bringt. Man könnte dies mit weiteren Business Improvement Districts (BID) eindämmen, innerhalb derer Security Bettler wegschicken darf, z. B. damit der Kunde in der Hamburger City beim Rolexkauf nicht über einen Bettler steigen muss. Es ist aber auch ein kluges Geschäftsmodell, bzw. eine Win-win-Situation, dem urbanen Linken coram publico überall ein Virtue-Signaling-Angebote zu machen.
 

RMH

13. Januar 2026 09:22

@dojon86, ich habe bewusst hinter "Un" ein "?" gesetzt, da ich der Mng bin, es kommt schon sehr darauf an, was man im Ausl vor hat. Die von Ihnen genannte Grand Tour ist eher kein bes. positives Beispiel, wenn man dem Glauben schenken kann, was darüber berichtet wird. Reiche Söhne fallen mit viel Geld & Entourage (!) in fremde Länder ein, um sich vermeintlich zu bilden ... es mag einige davon gegeben haben, die dabei ernsthaft Interesse an den fremden Kulturen entwickelt haben, bei vielen dürfte es aber eine Art von Tourismus & Einkaufstour gewesen sein, wie wir es heute erleben, wenn wohlhabende Araber in D absteigen oder wie er an den Stränden ferner Länder zu sehen ist, wenn rich kids meinen, Freiheit erleben zu müssen (der Film "The Beach" reißt die Thematik ein ganz kleines bisschen an). Ganz grdstzl habe Sie durchaus Recht. Reisen bildet & bei uns Dt ist es ein bisschen zum Fetisch geworden, der gerne einmal hinterfragt werden darf. Will aber keinem jungen Menschen hier irgendetwas mies machen. Habe ja selber meine Erfahrungen machen können & mache sie immer noch. Reisen & danach mich hier am wohlsten fühlen oder es hier gut oder besser als woanders zu finden - der Effekt hingegen lässt seit 30 Jahren stark nach & war ohnehin nie groß entstanden. Im Gegenteil, manche dt. Nabelschau lässt sich besser einordnen.

Valjean72

13. Januar 2026 09:23

Vor gut 3 Jahren war ich mit 2 jüngeren Schweizer Kollegen auf einer Messe in Düsseldorf, beide mit doppelter Staatsbürgerschaft und Wurzeln im Kosovo.
 
Als wir 3 uns zur Rückfahrt aufmachten, vom Taxistand ein wenig um den Bahnhof spazierten, schliesslich den Bahnhof betraten, meinte einer meiner jüngeren Kollegen, dass man schon merken würde, dass man nicht in der Schweiz sei. Mir fiel auf, dass es sehr viele orientalisch aussehende Menschen gab und von den wenigen, die oberflächlich deutsch (mittel-, west-, nordeuropäisch) aussahen, waren die meisten verwahrlost (Obdachlose, Punks etc.) und vermittelten einen traurigen Eindruck. Wir wurden auch mehrfach angebettelt, im Eingang des Bahnhofes auch von jemandem mit einem Kartenlesegerät.
 
Oben am Gleis mussten wir aufgrund der Verspätung (20min) unseres Zuges länger warten. Bald kam ein ein wenig freakig-verwirrt auftretender jüngerer Mann, der die am Gleis wartenden Reisenden anbettelte, bei uns vorbei. Ich gab ihm zu verstehen, dass wir zurück in die Schweiz reisen würden und keine Euro bei uns hätten. Er wollte dann meine Colaflasche haben. Ich gab sie ihm, es war noch ein kleiner Schluck darin. Er nahm die Flasche, sah mich an, ging ein paar Schritte nach hinten Richtung Gleis, ohne dabei seinen Blick von mir abzuwenden und fragte mich, ob ich chronische Krankheiten hätte oder Drogen nehmen würde. Schliesslich goss er den Inhalt der Colaflasche über dem Gleisbett aus, behielt die leere Flasche und Zug von dannen.

RMH

13. Januar 2026 09:37

"Punks habe ich nie was gegeben, kann Punks auch nicht ausstehen."
@Majestyk, sollten Sie aber evtl einmal. In der guten Taten Ökonomie, unter der insbes. der Alltagskatholizismus leidet, würden Sie damit doppelt punkten. Almosen an arme Menschen + Feindesliebe = doppelte Zahl an Tagen weniger im Purgatorium. Ironie & Sarkasmus bei Seite: Das Thema ist in der Tat so vielschichtig, wie es die Diskussion hier spiegelt. Bei den Punks habe ich es so erfahren, dass es Kinder aus bürgerlichem Hause gibt, die es mal eine zeitlang cool empfinden, sich mitten auf die Straße zu fletzen, zu versiffen & Dosenbier zu saufen. Die finden es dann auch witzig oder eine Art von Initiationsritual, wenn sie, obwohl Geld vorhanden, sich noch was dazu schnorren - meistens finden diese Kinder dann am Ende den Weg zur "Spießigkeit" (Studium, Beruf) bei Beibehaltung von Tatoos & Modeaccessoires. Es gibt aber auch die, die komplett abgestürzt sind & obdachlos, alkohol- & oder drogenabhängig sind. Die sind dann oft nicht mal mehr in der Lage, irgendwo Stütze oder Hilfe zu organisieren. Da sehe ich dann 0 Probleme, was zu geben. Überhaupt mache ich mir dazu keine echten "Regeln" sondern entscheide eher spontan.

Karl Otto

13. Januar 2026 09:44

@Majestyk: So sehe ich das auch, wer einen Asylantrag stellt, um den kümmert sich der Staat, der braucht sich um Unterkunft und Essen keine Sorgen zu machen. Deutsche, die wegen irgendwas auf der Straße landen, nimmt der Staat kaum wahr.
Ich gebe (älteren) Bettlern, wenn es erkennbar keine Migranten sind. Junge Leute und Punks bekommen nichts, wer dieses Leben selber wählt, soll sehen, wie er zurecht kommt.
@RWDS: Wenn sie von Deutschland nach Übersee wollen, kommen sie um Frankfurt kaum herum. Angeblich soll das dazu dienen, dass die Lufthansa ihre Flugzeúge immer voll bekommt. Jedenfalls kann man von Berlin oder Hamburg aus nicht nach New York oder Buenos Aires fliegen, man muss über Frankfurt. 

Sandstein

13. Januar 2026 09:53

@Majestyk und andere zum Thema Ausländer & Bettler
Es gibt einen sehr einfachen Grund, weshalb es so gut wie keine türkischen oder arabischen Obdachlosen gibt: die haben, ob es einem gefällt oder nicht, noch intakte Familienverbände. Bei uns Deutschen ging es doch schon Anfang der 70iger Jahre los mit den Scheidungen, Alleinerziehenden usw. 
Wenn man als Familie aber nur Mutter und 1-2 Geschwister hat, kann es sehr schnell passieren, dass man sein soziales Netz verliert. Zumal es ja nicht ungewöhnlich ist, dass selbst solche kleinen Kernfamilien nicht mehr zusammenhalten. Ansonsten stimme ich dem deutschidentitären zu: das Obdachlosenproblem ist ein Stadtproblem. Berlin ist dabei unangefochtene Pennerhauptstadt. Als ich früher noch dort lebte, war es immer zwischen amüsant bis beschämend, wie Touristen darauf reagieren. Deutschland gibt ein klägliches Bild ab in der Welt.

Der Gehenkte

13. Januar 2026 10:16

@MarkusMagnus
Da Sie an Reinkarnation glauben. Das Thema des Gebens wird auch im Buddhismus behandelt. Dort geht die Empathie von innen nach außen, vom Nahen zum Fernen. Zuerst also unterstützt man Familie und/oder Glaubensgefährten. 
Es gibt die Lehrrede "Zehn verschiedene Weisen, mit Sinnendingen umzugehen" (S42,12 o. AX,91) für Häusler, darin 10 verschiedene Verhaltensweisen demonstriert werden. Die letzte ist immer: "und andere läßt er an seinem Besitz teilhaben" - und diese streicht quasi alle möglichen vorherigen Verfehlungen aus, denn "damit tut er Gutes im Hinblick auf eine günstige Wiedergeburt", ganz gleich, wie falsch sein sonstiges Leben sein mag. Das Geben ist also bei Buddha eine "Kardinaltugend". Aber nicht das Verstreuen, sondern das Geben in der Nähe und wohl auch zu heilsbringender Hilfe. 
https://www.buddhistisches-seminar.de/ - Band 2 PDF, S 1650ff. 

Laurenz

13. Januar 2026 10:30

@MarkusMagnus (& Majestyk, der hier beim Thema Schwierigkeiten hat, im Gegensatz zu Ernestina) ... Obwohl der Teilnehmer @Gracchus meinte, ich solle mich nicht so an Castaneda orientieren, so ist Castaneda deswegen so gut, weil Er für den westlichen Menschen schrieb, das Unmögliche möglich zu machen, um Spirituelles rational zu erklären. Ihre Gottunterwürfigkeit, Ihre Sucht zur Selbstversklavung lehnte ich schon vor der Lektüre Castanedas ab. Ohne Reinkarnation ausschließen zu wollen, im nächsten Leben kann man sich um das nächste Leben dann kümmern, wenn es so weit ist. Das hieße ja, Götter seien unfehlbar. Sind sie aber nicht. Was ist, wenn Ihr Gott in seinem nächsten Leben als Kakerlake wiedergeboren wird? Genau, dann muß er, wie alle Kakerlaken, als Kakerlake klarkommen. Da bei Castaneda Krieger versuchen müssen makellos zu handeln, erklärte Don Juan, Er & Carlos könnten Bettlern nicht helfen & Kranke heilen, weil ihnen die Menschen nicht egal seien, ihr Schicksal sie dauere. Während Don Julian, dem Mentor Don Juans, seien die Menschen egal gewesen, desewegen konnte er vielen helfen & viele heilen. Hilfe für Bettler sei bei Menschen nur Selbstprojektion (wie bei MarkusMagnus) in den Bettler, also reines Selbstmitleid, für einen Krieger unmöglich. Ernestina hat das intuitiv begriffen.

A. Kovacs

13. Januar 2026 11:01

Da ich in Frankfurt und Budapest wohne und öfter in Hamburg bin, ist mir ein Unterschied aufgefallen: Ungarische Bettler sind in der Regel deklassiert, ergeben, erbarmungswürdig, wirklich traurige Fälle, während Bettler in Deutschland selbstbewusst, fordernd, "unternehmerisch" auftreten. Das sozialstaatliche Anspruchsdenken dringt da durch. Wahrscheinlich gibt es bald ein grundgesetzlich garantiertes Recht auf Betteln.

das kapital

13. Januar 2026 11:24

Die Bettelei ist doch verstaatlicht worden und die christliche Mildtätigkeit auch.Die Profis in Sachen Geldeintreiben sammeln jährlich eine Billion ein und versemmeln sie gründlich nach Lust und Laune ohne Rücksicht auf die vom Staat Bestohlenen. Persönliche Zuwendung für Menschen in schwierigen Lebenslagen ist und bleibt christliche Pflicht. Nimm Dir Zeit für "echten" deutschen und europäischen Menschen, die alleine nicht klar kommen. Hilf ihnen, die staatlichen Leistungen zu bekommen, für die Du ausgeplündert wirst. Besonders gegenüber europäischen Christen bist Du zum Beistand verpflichtet. Für Syrien, Afghanistan und Nordafrika mögen gerne die saudischen Glaubensbrüder sorgen. Tun sie aber nicht.

Carsten Lucke

13. Januar 2026 11:40

@ RWDS
Der herrlichste Spruch, den ich hier jemals las !

Liselotte

13. Januar 2026 11:43

Daß eher deutsche Bettler zu sehen seien, kann ich aus meiner Ecke (in Berlin) nicht bestätigen. Da habe ich eher die muslimischen Omas ("Selam!") mit Stammplatz vor dem Lebensmittelladen, ab und an einige abgestürzte Polen oder sonstwo Osteuropäer (Männer, mittelalt oder jünger), sowie einige "südländisch" aussehende verknitterte Männer. Im Sommer liefen auch mal ein paar junge aufdringliche Roma-Mütter durch. Punks und Jugendliche habe ich da "schon ewig" nicht mehr betteln sehen. Dies ist aber nur der Eindruck aus der Einkaufsstraße, zu Bahnhöfen habe ich keine aktuellen Beobachtungen. Schätzungsweise sammelt sich dort ein etwas anderes Publikum.

Le Chasseur

13. Januar 2026 12:27

@Sandstein"Es gibt einen sehr einfachen Grund, weshalb es so gut wie keine türkischen oder arabischen Obdachlosen gibt: die haben, ob es einem gefällt oder nicht, noch intakte Familienverbände. Bei uns Deutschen ging es doch schon Anfang der 70iger Jahre los mit den Scheidungen, Alleinerziehenden usw."
Richtig. Und mit Familienverband ist eben nicht nur die Kernfamilie gemeint, sondern eben die weiter gefasste Familie. Wer also mal in finanzielle Nöte kommt, kann sich auch an den Onkel, Cousin, Schwager etc. wenden.

Ein gebuertiger Hesse

13. Januar 2026 13:06

@Liselotte
"zu Bahnhöfen habe ich keine aktuellen Beobachtungen. Schätzungsweise sammelt sich dort ein etwas anderes Publikum."
Ich fand es schon immer seltsam, daß sich die Abgestürzten jeglicher Couleur, "die Vollverfärbten", wie Botho Strauß sie mal genannt hat, wie durch einen inneren Magnetismus bewegt an Groß-Bahnhöfen sammeln. Das ist in Paris nicht anders als in Frankfurt oder Berlin. Warum tun sie das? Um Züge auf ferne Ziele hin abfahren zu sehen, wie Träger in ein neues, anderes Leben, die sie selbst doch nicht besteigen können? Ich habe das noch nie wirklich verstanden.
 

Eo

13. Januar 2026 13:41

@RMH
.
Genau !
Das Schönste beim Reisen ist natürlich das Wiederankommen. (Das Zurücksein in seim eigenen vertrauten Lebensumfeld. Und, muß man heute leider dazusagen, sein Heim so wie verlassen wieder vorzufinden.)
.

MarkusMagnus

13. Januar 2026 13:53

@ Der Gehenkte
Danke für ihre Antwort. Schon Jesus sagte ja, liebe deinen Nächsten, so wie dich selbst. 
Solange hier auch nur ein deutscher Rentner Pfandflaschen aus Mülleimer sammeln muss, ist jeder einzelne Cent der ans Ausland geht ein Verbrechen.
Deutschland immer zuerst. Das ist doch klar.
Dennoch war ich stolz, dass die Deutschen nach der Flut 2004 in Südostasien relativ viel Geld gespendet und geholfen haben. 
Das sind aber Ausnahmen nach einer gigantischen Katastrophe. 
 
 
 
 

RMH

13. Januar 2026 14:01

"@ RWDSDer herrlichste Spruch, den ich hier jemals las !"
Ja, der war gut - wir müssen nicht mehr nach Kalkutta reisen, wir haben Kalkutta bei uns (frei nach P. Scholl-Latour).
Das Thema Obdachlose & Betteln trifft sich manchmal, aber weitem nicht immer. Gibt genug auf Platte, die das nicht machen. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass es unter Obdachlosen überdurchschnittliche viele Männer gibt, die irgendwann einmal ein Schädel-Hirn-Trauma hatten. Nachdem ich selber einen Freund habe, der ein Schädel-Hirn-Trauma hatte, kann ich das gut nachvollziehen. Er kann komplett vernünftig reden, argumentieren, auch disktuieren, bekommt aber wirklich fast gar nichts mehr auf die Reihe und ist zum Sozialfall geworden, immer mit der Gefahr, dass er auch mal auf der Straße landet. Viele Obdachlose sind zudem suchtkrank (meist Alkohol), da kann man schwer sagen, geht mal arbeiten, du siehst doch jung und gesund aus. Unsere Gesellschaft hat viele Facetten, aber das ganze "Soziale" unseres Staates ist oft nur institutionalisierter Ablasshandel zur Ruhigstellung kritischer Massen. Echte Hilfe kann staatlich, wenn man keine Zwangsmaßnahmen will, gar nicht geleistet werden.

MarkusMagnus

13. Januar 2026 14:08

@ Carsten Lucke
"Der herrlichste Spruch, den ich hier jemals las !"
Der ist aber alt :) 
Besuchen Sie Polen, ihr Auto jst schon da. Hehe.
Eine Zeitlang ging es sogar in Ffm. Ab 2015 wurde es dann aber richtig zur Kloake. Mein Lieblingsplatz in Frankfurt ist der chinesische Garten. Mitten in der Stadt. Wenn man drin ist, meint man man ist in einer anderen Welt. Kein Lärm mehr zu hören, keine Hochhäuser mehr zu sehen. Ich liebe chinesische und japanische Gärten.
@ Frau Kositza 
Kennen Sie diesen Garten? Er gehört -glaube ich - zur chinesischen Botschaft, Konsulat oder wie auch immer. Er ist kostenlos für jedermann zugänglich. 

Laurenz

13. Januar 2026 14:24

Als meine Mutter (*1938) in Ihrer Kindheit & Jugend in Unterfranken aufwuchs, schloß niemand die Haustüre ab, außer die Zigeuner kamen, was für Kinder aber auch spannend war, eine Art kleiner Zirkus. Im Ort gab es maximal 2 Autos. Keinem wäre aber eingefallen, die Reichen im Ort anzubetteln. Um die Wendezeit fuhren meine Eltern mit dem Golf II meiner Mutter (damals ohne Klima) über Fez, Rabat bis Agadir (direkt 3.300 KM). In der Stadteinfahrt von Marrakesch hingen über 50 Kinder am Auto & wollten Bakschisch. Das ist schlicht eine andere Kultur, mit uns nicht kompatibel. Die KI beantwortet die Frage nach historischen Deutschen Bettlerkönigen eher mit Legendenbildung. Als mein ältester Kumpel vor ca. 35 Jahren im Referendariat auf Richterstation war, verhandelte Er eine Zigeunerin mit mehr als 60 überführten Diebstählen, mit der üblichen Heulnummer, die Kinder hätten Hunger etc. De ganze Klan saß im Gerichtssaal & mit dem Gold was alle im Mund & am Körper hängen hatten, wäre der gesamte Klan locker für 1 Jahr + zu ernähren gewesen.

Ekstroem

13. Januar 2026 14:27

Danke, werte EK, für Ihren Erfahrungsbericht. Danke auch für die Kommentare. @Der Gehenkte spricht @MarkusMagnus bzgl. des Gebens an. Noch in der DDR, als ich mich gerade aus meiner materialistischen WA löste, sah ich irgendwann Mitte der 1980iger einen Film über die turbulenten Ereignisse in Indonesien. Der Protagonist sprach darin einen Satz, der sich mir einprägte: "Gib denen mit Liebe, die Gott dir in den Weg stellt." - Machmal gebe ich Bettlern etwas, manchmal nicht. Es kommt darauf an.  

Majestyk

13. Januar 2026 14:32

@ dojon86, RMH:
Reisen bildet, aber nur, wenn man in Kontakt zu Einheimischen tritt. Alles andere ist Urlaub.
@ RMH:
Dass Punks bürgerlicher Herkunft sind, ist logisch. Protestkultur muß man sich leisten können, ob 68er oder Klima. Während bürgerliche Kinder protestierten, lernten Arbeiterkinder arbeiten.
Ich wüßte mal gerne, warum gebildete Menschen ernsthaft glauben, sie seien für den Lebensunterhalt fauler Menschen verantwortlich, die denken, die Welt wäre ihnen etwas schuldig.
Als Nicht-Christ muß ich keine Punkte sammeln, da ich nicht an ein Leben nach dem Tod glaube und diesen Glauben nicht vermisse. Sterben zu dürfen, ist ja auch eine Erleichterung. Ewig leben zu müssen stelle ich mir furchtbar vor, man denke an den Highlander.
Im Übrigen halte ich Punkmusik für destruktiv, so wie ich jetzt im Alter denke, daß ein Großteil der Pop- und Rockmusik destruktiv ist und jene sogenannte Jugendkultur von gestern den Mist von heute mitverantwortet. Man muß sich auch mal frei machen können, von Dingen, die man einst mochte.
@ Sandstein:
Aus Erfahrung kann ich Ihnen sagen, mit dem familiären Zusammenhalt der Türken und Kurden, die schon ewig hier leben, ist es oftmals auch nicht weit her. Muß am Land oder dem System liegen und nicht an Ethnie oder Religion. In muslimischen Ländern, siehe VAE oder Dubai gibt es ja auch weniger Probleme mit dem radikalen Islam.

Olmo

13. Januar 2026 15:23

Vieles im Leben ist eine Phase. Das Problem mit langen Auslandsaufenthalten ist die Gefahr der Entwurzelung. Es kann passieren, daß man nie wirklich heimkehrt, heimkehren kann ...

dojon86

13. Januar 2026 18:43

@RMH Ich verstehe unter Reisen grundsätzlich nicht vom Reisebüro organisierte Reisen. Was die "Grand Tour" adeliger Schnösel betrifft. Darüber mag man denken wie man will, aber die Vielsprachigkeit des Adels war doch seit je her beeindruckend. Was das Töchterlein der Autorin betrifft, eine Fremdsprache aus Eigeninitiative zu lernen, erfordert Energie und dorthin zu reisen zeigt Mut und den Willen, die Welt jenseits der angelsächsischen Globalkultur kennen zu lernen. Dafür "chapeau". (Um den angelsächsischen Globalismus kennenzulernen, kann man gleich zu Hause bleiben)

Beta Jas

13. Januar 2026 21:11

@Karl Otto Das ist Ihnen aufgefallen? Ja, die meisten Bettler, sind deutsche Obdachlose, die zu 95% auch Männer sind. Armut dieser Art ist ein psychologisches Problem und man macht sich keine Freunde wenn man sagt, das man jemand ist, die kein Mitleid mit solchen Personen hat. Denn es gibt erstens keine ökonomisch erklärbare Grundlage dafür, das man auf der Straße wohnen muss, zweites zeigen viele "BettlerInnen" das es anders geht, die, die seit 2015 ungehindert nach Europa strömen können, Hauptziel Deutschland, und es sich wesentlich bequemer machen. Viele haben Wohnungen erhalten oder sitzen in warmen Gemeinschaftsunterkünften und erhalten Geld. Sie sieht man in der Straße oder der Fußgängerzone, aber anders. 
@Freichrist343 Ich glaube Sie wollen uns einfach veräppeln ;)

RMH

14. Januar 2026 09:07

@dojon86, wir wissen nicht, wohin es die Tochter von EK gezogen hat. Ich persönlich würde aller Länder, in denen die ehem. Kolonialsprachen Englisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch Amtssprachen sind, unter das fallen lassen, was Sie als "angelsächsische Globalkultur" bezeichnen.
@Laurenz, die Marroko-Erfahrung teile ich. War 91 dort & man durfte sich jede europ. Höflichkeit, jeder "Kultursensibilität" oder Respekt erst einmal abgewöhnen. Stoisch, aufrechten Gangs durch die einem nach Verlassen des Bahnhofs, des Busses anstürmenden Bettlerhorden wie ein Schneepflug pflügen, alles Gezerre an einem unbeachtet lassen & irgendwann, nach 200 Metern war Ruhe. Auf der anderen Seite habe wir ein einheim. Lehrer-Ehepaar kennengelernt, dass uns klar dafür bewunderte, Deutsche zu sein, weil wir es den Juden gezeigt haben. Als wir auf andere Aspekte der deutschen Kultur, unsere Komponisten etc. hingewiesen haben, waren sie nicht so gebildet.
@Majestyk, ich sprach von verelendeten Punks, nicht von Mode-Punks.
@Beta Jas, siehe meinen Hinweis auf die sehr oft vorliegenden, echten Krankheitsbilder unter Obdachlosen. Da klappt sehr oft der Vorwurf, warum nisten die sich nicht im Sozialsstaat warm ein, nicht mehr. Es sind oft sehr spezielle Menschen, wie ich in Gesprächen erfahren durfte. Ambros singt sehr schön darüber.
https://youtu.be/Nu-9Inv-Gj4?si=OMmeTqLUNjg593hh

Le Chasseur

14. Januar 2026 09:20

@Beta Jas
"zweites zeigen viele "BettlerInnen" das es anders geht, die, die seit 2015 ungehindert nach Europa strömen können, Hauptziel Deutschland, und es sich wesentlich bequemer machen. Viele haben Wohnungen erhalten oder sitzen in warmen Gemeinschaftsunterkünften und erhalten Geld."
Wenn Sie keine Arbeitserlaubnis haben, kann Ihnen auch niemand die Stütze streichen, weil Sie Stellenangebote ausschlagen. Und für Leute ohne Berufsausbildung und ohne Deutschkenntnisse wird es nicht allzuviele Stellenangebote geben, erst recht nicht bei der momentanen wirtschaftlichen Lage. 

Franz Bettinger

14. Januar 2026 10:46

Ich halte von Reisen, wie man sich denken kann, sehr viel. Aber gefüllt müssen sie sein. Mit Leben gefüllt. Und zum Leben brauchte ich immer den Körper. Am Strand liegen? Das hielt ich nie lange aus. In Kneipen abhängen? Furchtbar, außer, wenn es um chercher la femme ging. Der Not gehorchend musste ich deswegen in damals noch verrauchte Schüler- und Studenten-Kneipen rein. Na immerhin habe ich dort die Frau meines Lebens gefunden, die - auch sie einer Not gehorchend - in den „Knopp“ fand. Whatever.

Maiordomus

14. Januar 2026 12:41

@Franz Bettinger. In Kneipen und Bars geht man nicht wegen der "Weiber", das war, Ausnahmen vorbehalten, selten der Ort, wo man die qualitativ und auch geistig hochstehendsten Frauen der heutigen Zeit fand. Die Bars, aber nicht in der Art von Le Constellation in Crans Montana, wo nichts als Lärm herrschte und oft völlig unreife Junge mit elementaren vital-biologischen und auch intellektuellen Defekten verkehrten, waren im gelungenen Fall die Pflegestätten von Männerfreundschaften: Meine allerbesten Gespräche mit Schriftstellern. PHilosophen, Historikern und u.a. dem besten Alchemie-Kenner Europas, aber auch noch den gebildetsten übriggebliebenen Altherren der traditionellen Verbindungen habe ich nun mal in sog. Kneipen, Bars und dann und wann auch schicken Lokalen gefunden, etwa die Kronenhalle in Zürich oder entsprechende Lokale in Salzburg oder Wien, nicht zu vergessen die Universitätsstädte. Überhaupt sollte man die echte wahre Männerfreundschaft mehr pflegen. Es gibt in diesem Debattenkreis einige, denen ich dies übrigens durchaus zutraue. Wobei der kulturelle Bildungskonsens noch wichtiger ist als der rein politische Konsens. Ich erinnere noch an Josef Victor von Scheffel.     

Wuwwerboezer

14. Januar 2026 13:06

In Berlin traf man in den 2000ern auf Myriaden an, neudeutsch, Backpackern, die einen à la Si Romae non es, vive ut Romani! easypeasy in Anywhere-Englisch mit Wortschatz 900 nach dem Weg zum Holo-Denkmal anquatschten. Weil ich finde, daß so offene und bunte Menschen etwas Offeneres und Bunteres als eine Wüste grauer Betonquader anzuschauen verdient haben, habe ich die immer gern mit dem Ton der Inbrunst der Gewißheit und detaillierten Nahverkehrshinweisen in Richtung Neukölln Hermannplatz geschickt. Über Dank oder Undank ist mir leider nichts bekannt geworden.

- W.

Wuwwerboezer

14. Januar 2026 13:07

Habe neulich hier in Züri einem Italiener oder Tessiner etwas gegeben. Es wurde eine eindrückliche und äußerst respektable Begegnung, an die ich noch lange mit Freude zurückdenken werde. Er streckte mir daraufhin ganz selbstbewußt seine Hand hin, als ich ihm meine gab wurde es ein geradliniger, kerniger Händedruck, er bedankte sich wie ein Mann es tut und zeigte sich zugleich im Herzen berührt, stellte sich mir als Francesco vor, erkundigte sich nach meinem Namen, wir wünschten uns gegenseitig alles Gute und dann sah er mir nahezu wie ein Freund hinterher. Nochmals: alles Gute für Dich, lieber Francesco! Hast es nicht leicht ...

- W.

Majestyk

14. Januar 2026 13:30

@ Franz Bettinger:
Uraltdebatte. Wer 250 Tage im Jahr, Überstunden, Schichtdienst, Wochenendarbeit, Verzicht auf Freischichten malocht, der will in den paar Wochen Freizeit keine Abenteuer, sondern mal die Füße ausstrecken. Wer eher am Schreibtisch sitzt, will im Urlaub Action, wer auf der Arbeit genug Action hat, will einfach nur faulenzen.
Das ist wie bei der Bewunderung von dojon86 für die Sprachbegabung des (Geld-) adels. Das hat was mit Ressourcen (Zeit für Müßigggang und Geld z.B.) zu tun, nicht mit intellektueller oder mentaler Überlegenheit. 
@ dojon86:
Sie haben die Perspektive eines Besserverdieners. Ich selber bin meist Richtung Alpen gefahren, lag im Verdienst aber überm Schnitt, brauchte zum Buchen kein Reisebüro. In Spanien oder auf den Balearen war ich noch nie. Ottonormal kann im Schnitt drei Wochen am Stück Urlaub machen. Das Reisebudget reicht vielleicht für zwei Wochen, er würde dann gerne mal die Sonne sehen und jene Urlaubszentren sind deutlich günstiger als der Urlaub auf Borkum, Sylt oder Rügen. Und für Fernreisen braucht man erst recht Zeit und Geld. Normale Menschen haben entweder das Eine oder das Andere.

Le Chasseur

14. Januar 2026 18:34

Off-topic:
Bzgl Johannes Hartl und Co., evtl. interessant:
https://www.br.de/br-fernsehen/programmkalender/ausstrahlung-3980244.html

Ein gebuertiger Hesse

14. Januar 2026 18:43

@Maiordomus
"@Franz Bettinger. In Kneipen und Bars geht man nicht wegen der "Weiber", das war, Ausnahmen vorbehalten, selten der Ort, wo man die qualitativ und auch geistig hochstehendsten Frauen der heutigen Zeit fand."
Ach, doch. Etwa just am Hbf Ffm. Manchmal jedenfalls. Man braucht halt Mut & Glück. Versuchen Sie's nochmal.

Umlautkombinat

14. Januar 2026 19:26

@Majestyk, stellen Sie doch mal Ihre "Ich war schwitzender Arbeiter"-Nummer ab, der den ganzen Grosskopfeten die Welt erklaert.
 
Ich habe Metall gelernt, danach noch 6 Jahre in dem Beruf. Drehen, Fraesen, Bohren, Schleifen, Feilen nicht vergessen. Die Vorstellung, im Keller an einer Hobelmaschine 40 Jahre auf einem oelgetraenkten Steinboden zubringen zu muessen, fand ich allerdings nicht so prickelnd.
 
Reisen ging eigentlich nicht, ich war in den Achtzigern aber trotzdem 3x in Bulgarien mit einer Mischung aus Trampen und Zug- und Busfahren. Das war viel, uebertroffen nur von denen, die in die Sowjetunion eingesickert sind und auf eigene Faust in den Pamir gezogen sind (der grosse Bruder wollte das nicht).
 
Neben meinem Beruf habe ich also 3x die Woche in Abendschule Abitur gemacht. Dann habe ich studiert. Richtig gereist bin ich mit ueber Dreissig Ist nicht so teuer, auch nicht weit weg, wenn man sich vorbereitet. Geschieden dann habe ich mich selbststaendig gemacht und mir die Zeit genommen. Jeder baut sein Leben selbst. Was fuer Sie normal ist, ist es nicht zwingend. Ist auch kein relevantes Attribut.

Ein gebuertiger Hesse

14. Januar 2026 23:37

Übrigens, die hard facts betreffend, was sind nochmal die Unterschiede, wenn es so richtig spät wird, zwischen der Konstabler- und der Hauptwache in Frankfurt, gibt es welche, heute?

Ein gebuertiger Hesse

15. Januar 2026 13:25

@Wuwwerboezer
Prächtig, Ihre Anekdote mit dem Francsco. So soll das. Was mache mer sonst hienieden?

psychonaut17

15. Januar 2026 23:32

Hmm, komisch, ich bin schon öfter über die "Konsti" gegangen, aber dort noch nie auf ein eventuelles Interesse an Drogen angesprochen worden. Und ich bin weiß Gott keine (ähem) ästhetische Erscheinung, oder wie man das auch immer nennen soll.
Ich frage mich , was die besagten Verkäufer ausgerechnet an GK so interessant fanden, daß sie ihn für einen Teil ihrer "Zielgruppe" hielten ? ;-) 

Maiordomus

16. Januar 2026 11:28

@Umlautkombinat. Das informative Selbstbekenntnis zu Ihrer Bildungsgeschichte ist von mir aus alles andere als eine unnötige Selbstrepräsentation, salopp auch Nabelschau genannt. Ich bin überzeugt, dass die Kombination Ihrer beiden Hauptausbildungen einschliesslich des Hinweises auf praktische Tätigkeit bei Ihnen zu einer Art Kompetenzerweiterung geführt haben könnte, dank welcher ich Ihnen auch ein politisches Amt im Hinblick auf vertrauenswürdige Wählbarkeit zutrauen würde. Was Abitur betrifft, kommt es indes noch drauf an, ob Sie wenigstens den einen oder anderen Lehrer bzw. "Lehrkraft" gehabt haben, der über pädagogisch-ideologische Qualitäten hinaus Sie auch wissenschaftlich denken lehren konnte, wozu nur eine Minderheit dieser Fachkräfte in der Lage sind. Und ob Sie, was nicht eine Frage der Menge ist, noch zu einer das Leben prägendem Lektüre gekommen seien. Nicht ob Sie zB. "Faust" mal "durchgenommen" haben, sondern ob Sie dieser Geistes- und Geisterwelt wirklich begegnet sind, Es könnte auch Tolstoi gewesen sein oder die Bibel. Selbstverständlich nicht in "leichter Sprache" machbar oder mit Herumsurfen im Netz.  

Umlautkombinat

16. Januar 2026 15:59

@Maiordomus
Etwas seltsam ist der Ansatz, nun ausgerechnet mich nach der Guete meiner Lehrer zu fragen. Aber gut.Abendschule habe ich ja als nicht ganz freiwilligen Umweg absolviert (mit auch positiven Aspekten, wie von Ihnen angerissen). Was Sie vielleicht nicht wissen ist, dass Ausschluss vom Besuch einer erweiterten Oberschule (Gymnasium) in der DDR nicht nur dem Zoegling aus politischen Gruenden versagt werden konnte. Auch die Lehrer an einer Abendschule landeten dort wundersam aus aehnlichen Gruenden. Unbeabsichtigt oft eine Positivauswahl. 
 
Zum Wissenschaftlichen. 1) Ob das da ist, zeigt sich in einem Studium. Ich gehoerte zu den Besten meines Jahrgangs (nach Zensuren, ich selbst werte das nach anderen Kriterien). Doktorarbeit nicht beendet, das hatte aber keine Potentialmaengel meinerseits zur Ursache. 2) Was auffaellt, ist Ihr  Wissenschaftsbegriff. Lange war mir das Schisma Philosophie/Naturwissenschaften eher abstrakt. Dieses Forum hier speziell hat ihn konkret gemacht. Vielen hier fehlt eine ganze Welt an Geistestaetigkeit. Es gibt hier Literatureinverleibung, die z.T. Suchtcharakter hat. Ich selbst lese keinen kompletten corpus, sondern gezielt. Beispiel, Heidegger kommt hier ja oefters, kuerzlich Holzwege: Ich kenne zwei der Aufsaetze daraus (die ersten beiden zu Kunstwerk und Weltbild). Dazu "Die Frage nach der Technik", Teile aus "Sein und Zeit". Das ist es. Ich vermeide wo es nur geht, Abheben auf Buecher. Ein Argument muss fuer sich stehen.

Umlautkombinat

17. Januar 2026 10:11

Berichtigung: Natuerlich wurde nicht der Ausschluss, sondern der Besuch einer EOS versagt.

Adler und Drache

17. Januar 2026 13:19

Wieviel geben Sie denn da so im Schnitt?
Ich bin bei dieser Frage immer etwas zwiegespalten. Wie man das als Christ zu handhaben hat, ist klar, nämlich eigentlich unterschiedslos. Ich gebe aber gewerbsmäßigen Bettlern nichts, ich will nicht, dass sich das Bettelbanden-Unwesen ausweitet. Fraglich ist auch, was man mit Leuten tun soll, die einfach nur irgendwo rumsitzen und vor sich hinvegetieren - in Berlin sieht man schon die ersten Versehrten z.B. ohne Beine, etwa in der Friedrichstraße. 
Ansprechen? 
Leuten, die klar erkennbar auf Droge sind, gehe ich prinzipiell aus dem Weg. 

Kositza: Ich bin da ja auch zwiegespalten. Aus dm Elternhaus kenne ich, daß man nichts gibt, nie. Daß man gibt, hab ich von meinem Mann abgeschaut. Erkennbar Erwerbsmäßigen bzw. Sippenangehörigen geb ich nichts. Ich gebe, was ich als Kleingeld habe, natürlich keine Cents, da ich das erniedrigend fände. Also ein, zwei, drei Euro. Ein Bettler in unserer Kleinstadt kannte mich schon als gebewillig und hatte zuletzt gefragt, "heute dürften es mal 10 Euro sein, da würd ich drum bitten." Haha, der hat mich seither nicht mehr gefragt. Und: nee, die Kleine ist noch länger weg.

Adler und Drache

17. Januar 2026 13:19

Ist die Kleine wieder zuhaus?